Der Marktplatz
#41

Mizara d'Gni

Heilerin
Mensch
Zurück Weiter


Mizara staunte nicht schlecht, als sie hinten am Karren nach verlorenen Gefäßen schaute und ihr ihr Bollerwagen plötzlich aus der Hand gerissen wurde, und ohne sie weiter fuhr. Im ersten Moment wollte sie um Hilfe schreien, da sie dachte, die unbekannte Zwergin würde ihren Wagen klauen wollen. Aber sie verstand noch rechtzeitig, dass diese Mori ihr nur helfen wollte. Die junge Frau rollte nur mit den Augen, das war mal wieder typisch Zwerg: Knurrig, ungehobelt und von Höflichkeit keine Spur, aber das Herz am rechten Fleck. Da standen die weiblichen Zwerge ihren Männer in nichts nach, zumindest Mizaras Erfahrung nach. Aber mit ihnen darüber zu diskutieren brachte nichts, man musste dieses putzige Völkchen nehmen, wie es war. Also sprang die junge Heilerin auf und lief der Zwergin hinterher.

„Danke für deine Hilfe, das ist sehr nett von dir. Aber geh' bitte etwas langsamer, dort, sind Tongefäße drauf, die zerspringen mir, wenn sie herunterfallen.“ Was bei ihrem momentanen Kassenstand wirklich nicht sein musste! „Unsere Praxis ist im Ostviertel, da musst du da vorne an der Brücke links abbiegen, direkt hinter dem großen Baum!“, wies sie Mori den Weg. Währenddessen dachte sie darüber nach, was die Fremde gesagt hatte: „Ja, ‘Baumproblem’ trifft es ganz gut, vor wenigen Tagen war der Marktplatz noch so, wie man es von einem Markt erwarten würde: ein großer, freier Platz, auf dem die Händler ihre Wagen mit Gütern abstellen und anbieten konnten. Ich weiß auch nicht, woher die ganzen Tannen kommen, wahrscheinlich ein Scherz von einem Schüler aus der Magierschule, die machen manchmal so einen Quatsch und finden das im Gegensatz zu den übrigen Bürgern meist unheimlich komisch. Ich hoffe, die sind bald wieder weg, so kommt ja kein Kaufmann auf den Markt und man kann gar nichts kaufen!“

Die Heilerin begutachtete ihre Begleiterin: „Was soll ich mir denn ansehen? Du machst eigentlich einen sehr gesunden Eindruck und Verletzungen kann ich auch keine entdecken.“

Misstrauisch beäugte sie die Ladung auf ihrem Wagen, die sich erschreckend stark bewegte. So wirklich langsamer war Mori nicht geworden und Mizara hatte Angst um ihre Einkäufe. Als sie einen Krug gerade noch vor dem Herunterfallen retten konnte, bat sie: „Geht es nicht noch etwas langsamer? Wir sind auch gleich da, hier ist ja schon das Ostviertel! Jetzt nur noch um die Ecke da vorne und wir sind am Ziel.“
Antworten
#42

Nchulmoria Dursegan

Kriegerin
Zwergin
Zurück Weiter



Die Tongefäße kippelten bedrohlich, als Mori abrupt stehen blieb. Sie spähte an den Bäumen vorbei und entdeckte tatsächlich eine Brücke. Genau diese musste die Menschenfrau meinen... Und damit setzte sich das Zwergenfräulein wieder in Bewegung. 
„Keine Ursache!“, tat sie den Dank ab, als würde sie tatsächlich annehmen, dass sich Mizara über die ungefragte Hilfe freute, die ihr kostbares Gut in eine so heikle Lage brachte. „Ein Scherz der Magierschüler also, hm?“, murmelte sie nachdenklich. Sie hatte seit dem Anbruch ihrer Reise schon häufig feststellen müssen, dass die Oberflächenmagier so ganz anders arbeiteten, als ihre zwergischen „Magier“. Jedenfalls war Mori noch keinem Zwerg begegnet, der mit Feuerbällen um sich warf, wie dieser eine irre gewordene Magus, der ihrem Auftraggeber ans Leder gewollt hatte. Feuerbälle. Das musste man sich mal vorstellen! So etwas spuckten doch normalerweise nur Drachen aus! Ha! Da konnte die Aroner Bevölkerung wohl froh über ein paar Bäume sein. 
„Wenigstens kann man Bäume wieder fällen. Passiert sowas öfter?“

„Oh. Ich fühle mich großartig.“, antwortete sie und verlangsamte ihren Schritt. Der Heilerin ging es wohl zu schnell - wozu hatte sie denn ihre langen Beine? Und dann die Krüge als Ausrede vorschieben, jaja... 
„Aber so ein verfluchtes Goblinweib hat mir vor einigen Wochen ihren Knüppel über die Schulter gebraten und seitdem habe ich da eine Schramme, die einfach nicht weggehen will.“ Was der Warheit entsprach. Es war nicht einmal ein besonders kräftiger Schlag gewesen - und immerhin war Moris Schulter eingepackt unter einem dicken Fell, ihrem Kettenhemd und ihrer Kleidung, also... War es schon seltsam. Seltsam genug, um eine Zwergin skeptisch werden zu lassen.
Antworten
#43

Mizara d'Gni

Heilerin
Mensch
Zurück Weiter


Je länger sie unterwegs waren, desto mehr Angst hatte die Heilerin um ihre frisch erworbenen Gefäße. Mehrfach sprang sie schnell zum Wagen, um einen vermeintlich fallenden Tontopf zu retten. „Diese Zwergin schafft meine Nerven mit ihrem Fahrstil! Ich werde mir wohl gleich einen Beruhigungstee machen müssen!“, dachte die Rothaarige um sich kurz darauf daran zu erinnern, dass die entsprechenden Kräuter erst gesammelt und in diese Töpfe gefüllt werden wollten - wenn diese Töpfe jemals in einem Stück in ihrer Praxis ankämen!

„Naja, mit den Magiern ist das so eine Sache“, versuchte sie die Frage der Zwergin zu beantworten, „du hast vielleicht schon von der berühmten Magierschule in Aron gehört, oder? Das ist der große Turm, den man fast von überall in der Stadt sehen kann.“ Sie blickte sich um und wies dann in die Richtung, in der man einen mächtigen Turm über die Dächer ragen sah. „Schau, da ist er! Naturgemäß sind in einer Magierschule ziemlich viele Magier. Die jüngeren, die noch in der Ausbildung sind, erlauben sich manchmal einige Späße, unter denen dann die anderen Bürger leiden müssen. Die älteren Magier sind meistens ziemlich ernst und in ihre magischen Experimente vertieft, die machen eher keine Späße, aber manchmal geht bei deren Beschwörungen auch mal etwas schief, deswegen müssen die gefährlicheren Versuche außerhalb der Stadt gemacht werden. Klingt jetzt wahrscheinlich ziemlich schlimm, aber praktisch passiert eigentlich sehr selten etwas. Aber mit diesem Wäldchen mitten auf dem Markt ist das doch reichlich sonderbar.“ Mizara würde mal schauen, ob vielleicht einer ihrer Patienten in den nächsten Tagen berichten könnte, was da genau passiert ist und wer das war.

Als sie im zügigen Tempo in die Straße, die ins Ostviertel abbogen, konnte sie gerade noch einen Topf retten. Den Göttern sei Dank waren sie gleich da!

(weiter auf den Straßen des Ostviertels)
Antworten
#44

Mèowýn

Waldläuferin
Mensch
Zurück


Wie ein treuer Hund trabte Feoglin zuerst noch hinter den beiden her, dann fand er einen guten Vordergarten und war dann doch leicht abgelenkt. Mèowýn schalt ihn nicht. Stattdessen wunderte sie sich ein wenig darüber, dass sie Taur auf dem Dach noch zwitschern und miauen gehört hatte, hier aber neben ihrem treuen Begleiter die Auseinandersetzung ganz klar verfolgen konnte. Das Wiehern wurde zu Wörtern und die Wörter zu Sinn.
“Mach's gut, mein Großer“, sagte sie grinsend und strich ihm über den Kopf, neckte ihn kurz und verschwand dann auch flink hinter dem dunklen Schatten, der sich guter Dinge im Schutz der Dunkelheit durch die Häuser drücken konnte.
Als der Elf dann aber stehen blieb, verwundert und verwirrt zugleich, da roch die Dunkelhäutige es noch eindringlicher, als ihre Augen die Silhouetten von übergroßen Tannen mitten in der Stadt wahrnehmen könnten. Es roch nach Harz, nach Grün, nach Freiheit und guter Luft. Es roch nach den schattigen Wäldern, die sich auf ihrem Irrweg durchkämmt hatte. Und es roch nach Heimat, auch wenn der Wald zuhause nun doch anders roch.
Wie im Feenreich, sagte Taur dann. „Oder wie zuhause“, sagte Mèowýn genauso verträumt.
Im Gegensatz zu ihm schwang sie sich nicht sogleich auf die Bäume. Stattdessen fuhr sie ebenso verträumt über die Rinde und verfolgte den Flug der Feen durch die Wipfel. Schließlich beeilte sie sich doch diesem Wunderwerk ebenfalls auf die Spur zu kommen: „Eine gute Verbesserung“, stimmte sie lachend zu: „Wer auch immer hier seine Finger im Spiel hatte....“ Sie stutzte kurz: „Die Baumschwester möglicher Weise?“. Ihr war es zuzutrauen, dass sie nur als Zeichen ihrer Macht langsam die Stadt wieder begrünen würde – solange, bis es nur noch die Elfen hier aushalten könnten, wenn die Häuser von Ästen, Zweigen und Baumstämmen durchbohrt würden.
Doch dieser kleine Hain hatte nichts weiter als einen alten Marktstand empor gehoben. Vielleicht also nur eine Warnung?

„Hast du etwas gefunden?“, fragte Mèowýn und kletterte ebenfalls empor. Die bunte Kiste in Taurs Händen beantwortete ihre Frage und als er den Gegenstand langsam öffnete, sah sie... etwas kunstvolles. Das war bestimmt wertvoll mit all den Schnitzereien und dem Metall, das der Holzkörper eigentlich verbergen sollte. Das Mädchen griff nach der zweiten kleinen Schachtel und da sie nicht die Rufe hörten, bemerkte sie nur, wie ihr Freund erstarrte und sich umblickte. Als er sich erklärte, schüttelte sie leicht den Kopf. Noch war das Licht gerade hell genug für sie, dass sie den Pflasterboden erkennen konnte und dass sie auch die Gegend ein wenig wiedererkannte. Als er von den Wachsoldaten sprach, ließ sie das kleine Ding in eine Seitentasche ihres ausgedienten Kleides wandern und kletterte ein wenig tiefer in die Tanne hinein, dorthin, wo die Zweige noch die Sicht auf sie verstecken würden: „Kommen die Soldaten hierher?“, fragte sie nach und warf einen Blick auf den leeren Platz. Die Tannen waren jung und biegsam. Wenn sie auf ihnen fliehen mussten, so würden sie taumeln und hin und her schwanken.
Mèowýn hoffte wirklich, dass die Soldaten die beiden einfach nicht bemerkten würden – oder überhaupt nicht hierher kamen.
Antworten


Gehe zu: