Die Stadttore
#11

S'Aera Thel'saar

Streuner
Katzenwesenmischling
Zurück Weiter


Die bloße Verteidigungsgeste von Alwina derweil sogte bei ihr für etwas entspannung. Sie fühlte sich sicher bei ihr und für eine Sekunde schaute sie zu Alwina und musste lächeln. Ja, sie fand Alwina wirklich hübsch. Vielleicht lag es daran, das sie eine Katze war, vielleicht lag es aber auch daran, das sie mehr auf kleine Details achtete, anstatt auf das offensichtliche. In ihrer Augen war Alwina unglaublich freundlich, sehr stark und hilfsbereit. Zudem wusste sie scheinbar viel über das Leben in den Wäldern. Sie war bestimmt sehr schlau. Sie nickte kurz um ihren eigenen Gedanken zu befürworten und sah noch einmal zu ihr herüber.

Ihr gefiehl das Fell und die Haarfarbe, die Ohren und der Schweif und die tollen Augen und plötzlich hatte sie den Drang, ihre Nase einmal anzustubsen. Ja, in gewisser weise war sie sogar neidisch auf Alwina und sie musste lächeln. Es war ein warmes, stolzes lächeln. Stolz eine so tolle Begleiterin zu haben.

Dann hörte sie weiter zu und fragte sich, wie man eine Stimme beschreibt.
"Es ist eine kalte Stimme aber mit einem sehr bestimmenden, selbstbewussten Ton. Er nutzt meißtens eine sehr befehlende Wortwahl. Vielleicht habe ich mich auch nur getäuscht" sagte sie und zuckte unwissend mit den Schultern.

"Du meinst ich soll ihn...verletzen?" fragte sie und schaute auf ihre eigenen Hände. Bis auf das weiße Fell, was in der Sonne förmlich glänzte, wirkte sie menschlich, bis zu dem Moment als die Krallen daraus hervor schnellten und die den Glanz des Fells bei weitem übertrafen. Ohne Zweifel waren diese unglaublich scharf. "Aber bin ich dann nicht genauso schlimm wie er?" fügte sie dann nachdenklich hinzu und fuhr die Krallen wieder ein.
Zitieren
#12

Alwina Eamonstochter

Wolfselfe
Zurück Weiter


Es war nicht mehr lang. Die Nebenstraßen führten sie zielsicher durch die Stadt und schon bald würden sie das geräumige Haus der Heilerin riechen können, wie es die Dürfte der tausenden Heilkräuter verbreiten würde. Vielleicht noch die Spuren unzähliger Patienten und auch der Bewohner, die Alwina alle schätzte und liebte.
Ein kurzer Seitenblick auf die Katzendame neben ihr sagte ihr, dass diese sich bestimmt gut neben den anderen machen würde. Aber vielleicht sollten sie zuerst einmal das Reh vorbereiten. Ganz bestimmt, die Heilerinnen wären gewiss erfreut, wenn sie sich damit überhaupt keine Mühe machen mussten. Alwina konnte zwar häuten, aber das Fleisch wirklich in Wurst, Schinken und Braten zu unterteilen hatte sie meist allen anderen überlassen.
Ihre Tagträumereien wandelten sich. Sie versuchte sich vorzustellen, dass S’Areas böser Mann wieder auftauchen würde und gemeine Arbeiten verlangen würde. Es passte nicht ganz in die idyllischen Tage: „Natürlich darfst du dich wehren!“, knurrte sie etwas zu laut und ein paar besorgte Gestalten hielten in ihrem Tun inne und drehten sich zu dem Monstrum um. Doch Aron war zu lebendig, sie verloren zu schnell das Interesse und Alwina sprach ein wenig leiser weiter: „Du hast gesagt, dass er dich geschlagen hat. Jeder weiß, dass man zurückbeißen darf! Du kannst dich doch wehren! Du hast ihn ja nicht angegriffen, sondern er dich. Das ist etwas völlig anderes“, sagte sie kategorisch und schüttelte die Kapuze in großem Unverständnis.
Ein weiterer Seitenblick fiel zu der anderen verhüllten Gestalt: „Wenn er kommt, verjagen wir ihn. Du gehst einfach nie wieder in sein Revier und er setzt einfach keinen Fuß in…“
Alwina blieb wie angewurzelt stehen. Sie war so dumm gewesen. Schrecklich dumm: „Gibt es hier andere Katzenwesen?“, sprudelte es aus ihr heraus: „Haben sie auch Reviere? Was ist, wenn sie Reviere haben und ich dich einfach hineingenommen habe? Sie werden bestimmt nicht erfreut sein. Oder werden sie es doch?“
Die Wolfselfe wusste es nicht. Die Hunde wichen ihr aus oder duckten sich vor ihr, es sei denn, sie hatten einen Menschen als Rudelanführer, dem sie treuer als sich selbst ergeben waren – und andere Rivalen hatte sie nicht.
Aber die Katzendame? Hier gab es einige Befellte. Würden die sich nicht aufregen?
Zitieren
#13

S'Aera Thel'saar

Streuner
Katzenwesenmischling
Zurück Weiter



"Reviere?" wiederholte sie leise in einem fraglich, nachdenklichen Ton. Ihre Nase war zwar besser als die von Menschen, konnte reinrassigen Felinen oder Alwina nicht das Wasser reichen. Sie roch daher bisher keine anderen Katzenwesen in der Umgebung.

Aber was wusste S'Aera schon über ihr eigenes Volk? Nicht viel. Sie mochte es zwar nie, wenn jemand ihrer Zelle zu nah kam, den sie nicht kannte aber war das ein Reviertrieb? Sie wusste es selbst nicht.

"Wenn das dein Revier ist, dann kann es doch nicht jemand anderem sein" versuchte sie zu kombinieren "Und wenn du mir erlaubst hier zu sein, dann darf ich ja auch hier sein" nickte sie, eher sich selbst zustimmend. Sie verstand das Reviersystem scheinbar nicht und dachte wohl, dieser Teil der Stadt würde Alwina gehören.

Tatsächlich hatten auch Katzenwesen Reviere und sie pflegten ihre Reviere sehr. Eindringlinge wurden sehr genau beobachtet aber hier in der Stadt hatte S'Aera nur geringe Chancen etwas zu erkennen. Zuviele Nebengeräusche lenkten sie ab und auch das Tageslicht trug etwas zu ihrer Lage bei. Ihre Augen bevorzugten eindeutig die Dunkelheit und so konnte sie gerade weder gut sehen. Vielleicht wurde sie ja wirklich beobachtet.
Zitieren
#14

Alwina Eamonstochter

Wolfselfe
Zurück Weiter


Alwina verzog das Gesicht bei S’Areas sehr unpassender Beschreibung von Revieren: „Naja, da..äh…“ Für einen Moment schien es dem großen Monstrum fast ein wenig unangenehm zu sein, falls ein großer Umhang irgendwelche Gefühle ausdrücken könnte: „da wird dann eben in die eigenen Grenzen gepinkelt und dann wissen alle, dass dort das Rudel wohnt und jeder andere Wolf aus dem Revier vertrieben würde.“ Etwas verlegen streckte sich die Schnauze kurz vor: „Natürlich macht man das nur, wenn die Zweibeiner nicht in der Nähe sind. Die halten das nämlich für eine dumme Idee. Deshalb bauen die Häuser und Zäune und Wege und Gärten. Damit markieren die ihr eigenes Revier.“

„Und das hier ist auch nicht mein Revier“, gestand sie zögernd. Der Rehbock wippte kurz, als sie die Richtung änderte – weg von vier Eisenmännern, die aus irgendwelchen Gründen in den Schlamm der Bodenwelt eintauchen wollten. Manchmal war ihre Nase ganz hervorragend geeignet, um Schwierigkeiten zu entgehen: „Das ist das Revier der Menschen. Deshalb haben sie so einen hohen Zaun gebaut. Ich bin eher ein… Eindringling.“
Sie wog ihren Kopf hin und her und fügte hinzu: „Wobei ich ja auch ein Gast von Mizara bin. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die anderen Menschen mich deshalb hier leben lassen würden.“

Alwinas Rücken streckte sich, als sie die verträumten Gerüche der Heilerwerkstadt ganz in der Nähe roch. Erianas tägliche Wege, die Patienten, das Ostviertel, die alte Schmiede ganz in der Nähe… Es kam ihr ganz vertraut vor und ein grinsen stahl sich auf ihre sonst so groteske Fratze: „Sie werden bestimmt begeistert sein, weil ich ihnen so etwas Gutes mitgebracht habe“, sagte sie zu sich und freute sich sichtlich.
Bis sie stehen blieb, erstarrt, regungslos. Schließlich drang ein Knurren aus ihrem Magen in die Kehle, dann fletschte sie die Zähne: „Silberzunge!“, grollte sie. Da war seine Spur. Er auf irgendeinem Pferd. Und er kam direkt aus dem Haus ihrer Vertrauten. Mizara. Alwina würde es sich niemals verzeihen können, wenn ihr etwas passiert war, nur weil sie ihren Wachposten für ein paar Stunden verlassen hatte. Holprig rannte sie los. Ein paar umherstehende Leute schrien, als sie für eine scharfe Wendung einmal ihre Vorderpfote, die nicht das Reh umklammert hielt, aufsetzte. Ansonsten rannte sie auf zwei großen, langen Beinen und hoffte, dass sie noch rechtzeitig das Haus erreichen würde, um…. – was eigentlich?
Zitieren
#15

S'Aera Thel'saar

Streuner
Katzenwesenmischling
Zurück Weiter



Sie hob eine Augenbraue und lauschte der Geschichte. Sie fand es etwas komisch und in ihren Augen waren Zäune doch die bessere Alternative. Sie konnte man besser sehen aber dann erinnerte sie sich an etwas.

"Als ich mein Bett bekommen habe, habe ich mich daran gerieben bis es nach mir gerochen hat." erklärte sie stolz und hörte weiter brav und neugierig zu

"Sie haben uns hier rein gelassen. Damit sind wir auch Gäste der Menschen. Sonst wären wir ja nicht hier" sprach sie, sich selbst zustimmend nickend und den neuen Kurs von Alwina folgend. Gerade hatte sie sich dem neuen Kurs angepasst als diese stehen blieb.

Neugierig blickte sie auf und schaute sich um, den Grund für die Verzögerung suchend.

"Was für ne Zunge?" sagte sie noch als Alwina plötzlich zum Spurt ansetzte. Diesmal allerdings ohne auf sie zu warten.

"Ach du Alarm, nicht schon wieder" murrte sie eher zu sich selbst als zu Alwina. Dann öffnete sie den Mantel und nahm die Kapuze ab. Mit einem seufzen, fuhr sie die Krallen an den Füßen und Händen aus und sprintete hinterher. Der Mantel wehte zurück und man konnte das schnee weiße, schwarz getigerte Fell deutlich erkennen. Mit einigen Seitwärtssprüngen hechtete sie zwischen den Menschen hindurch.
"Entschuldigung.....Verzeihung...Darf ich mal?....Vorsicht....Tut mir sehr leid" kam es alle paar sekunden aus ihren Mund, wenn Passanten voller Schrecken im gesicht die Felina haar scharf an sich vorbei huschen sahen, meist nur durch ein kurzen Kratzen der Krallen oder ein Flattern des Mantels angekündigt.

Murrend stellte sie fest, das Alwina mit ihrem direkten Weg auch diesmal schneller war, also musste sie auch einen direkteren Weg finden. Mit einem kurzen Blick nach oben war die Lösung gefunden. Die Dächer hier im Viertel waren niedrig, die Straßen eng. Es bot sich also an. Kurzum sprang sie auf das nächste haus zu und bohrte die scharfen Krallen in die Holzbalken. Diese hatten wenig Mühe, den benötigten Halt zu finden und nur sekunden später war S'Aera auf dem Dach angekommen und verfolgte Alwina weiterhin mit einigen Sprüngen von Dach zu Dach.

Nach einigen Dächern kam sogar so etwas wie Routine bei ihr auf und sie wurde unaufmerksamer.
Dies rächte sich nur sekunden später bei dem nächsten Sprüng.
"Nein, nein, nein, nein" jammerte sie im Flug, als sie fest stellte, das die Entfernung diesmal zu groß war und der Boden immer näher kam.

Wer an dieser Stelle dachte, Katzen landen immer auf allen vieren, hätte vermutlich Recht. Doch in verbindung mit dem Schwung und dem Tempo den die Feline besaß, endete der Flug mit einem dumpfen Schlag und einer darauf folgenden Staubwolke.
"Uff, das tat weh" jammerte sie und rappelte sich langsam auf um Alwina zu suchen. Glücklicherweise bremste diese gerade das Tempo. Waren sie angekommen?
Zitieren
#16

Kars (Neunfinger)

Gesetzloser
Mensch
Zurück


(Vom Westviertel)

Es war am späteren Morgen, als ein Reiter sich durch die noch immer in die Stadt Strömenden seinen Weg in die entgegengesetzte Richtung auf das Stadttor zu bahnte. Der Mann in unauffälliger Reisekleidung war nicht sehr rücksichtsvoll und böse Blicke wurden ihm zugeworfen um die er sich jedoch nicht kümmerte. Als er das Tor hinter sich gelassen hatte trieb er sein Pferd zu eine leichten Trab an. Er hatte kein Ziel und keinen anderen Grund die Stadt zu verlassen als das Gefühl, daß hinter dem ganzen Getriebe der Stadt nur Lähmung, langsames Verenden und die Stille des Grabes auf ihn wartete. Er hatte gelernt auf die Stimme seiner Eingebung zu hören und so war es auch diesmal. Das Kapitel Aron war damit abgeschlossen und nur die Götter wußten, wo es ihn hin verschlagen würde.
Zitieren


Gehe zu: