Auf der Straße
#51

Ansgar Gari

Stadtwächter
Mensch
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Die Zähne fest aufeinander gepresst, fast als könnte diese Geste auch seine Füße effektiv an den staubigen Boden binden, blickte Ansgar dem langsam davonschleichenden Messerspieler nach. Noch nie hatte er einen Kerl, noch dazu einen welcher auf so offensichtliche Weise Gerechtigkeit verdient hatte wie Jaques es tat, einfach so ziehen lassen.
Ja, es war im Augenblick das Klügste, dennoch hätte er am liebsten laut geflucht und zwar auf eine Art, die selbst im Westviertel unangebracht gewesen wäre. Die ganze Situation war einfach so verdreht und unbefriedigend! Und wie es schien, war er nicht der Einzige hier der so empfand. Als ausgerechnet das Wolfswesen dem zerlumpten Dreckskerl eine Drohung mit auf den Weg gab, die selbst einen Mann wie Jaques ernstlich nervös machen sollte, schob sich ein dünnes Lächeln über Ansgars Züge.

Zugegeben, als sich Alwina grollend unter ihrem Mantel aufzurichten begonnen hatte wie ein aus den tiefsten Höllen emporsteigender Dämon, da war ihm kurz wieder anders geworden. Doch allzu rasch war die sich leise anschleichende Angst von einem tiefen Gefühl der Schadenfreude abgelöst worden. Natürlich war es falsch, dass er sich an dem offensichtlichen Schreck des Gesetzlosen weidete, doch der Wächter beschloss dieses spezielle Unrecht einfach zu ignorieren.
Tja, ein jeder hatte eben moralische Grenzen in sich, die niemand leichtfertig übertreten sollte der nicht bereit war die Konsequenzen dafür zu tragen. Der Bärtige warf einen von unsichtbarer Überraschung getragenen Seitenblick auf das sich langsam wieder duckende Geschöpf. Scheinbar teilten wir ein paar dieser Grenzen. Wer hätte das gedacht?
Ansgar erlaubte sich ein amüsiertes Schnauben, es gab wahrlich schlechtere Kameraden mit denen man sich den Schutz solcher Grenzen teilen konnte.

Mit dem zurücksinken Alwinas setzte auch der ehrlose Kerl seinen Weg fort und bevor sein Herr das selbe tat, lies sich dieser noch zu einem knappen Gruß herab. Eine Geste welche den Wächter veranlasste dem Adeligen kurz auf eine Weise zu zunicken, wie man es zum Abschied eines Mannes tat, der einem im Stande inetwa gleich kam. Denn natürlich hatte er den Edlen nicht als solchen erkannt und dabei würde er auch verdammt nochmal bleiben! Er wusste das Jaques nicht vor seinem Schwert sicher sein würde, doch der hochwohlgeborene Schnösel stand zu weit oben in der Nahrungskette dieser Stadt, als dass der Arm eines einfacher Stadtwächters ihn erreichen könnte.

Und dann war es plötzlich vorbei. Der bärtige Diener Arons brummelte leise, was ein Äquivalent zu dem sachten Kopfschütteln war, welches Eriana gerade sehen lies.
Nun, das hätte schlimmer laufen können aber… ach verflucht nochmal… auch verdammt viel besser.


Eriana Sternfeuer

Heilerin
Elf
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Und plötzlich war der Sturm vorübergezogen. Der Donner in Alwinas Kehle hatte das Gewitter ebenso angekündigt wie es das Blitzen auf dem Stahl des Messerspielers getan hatte. Doch kein Tropfen roten Regens war zu Boden gefallen und nachdem die Spannung aus der Luft um den Wächter verflogen und der letzte Wind aus Mirays Worten abgeflaut war, da trat die Sonne wieder hervor und die Vögel wagten erneut ihre Lieder anzustimmen.
Die geschäftstüchtige Lulu war von Dannen gezogen, wie auch Jaques und der Herr von Feldenbach. Letzterem hatte sie noch Gedanken tragend nachgeblickt. Worte welche der edle Mann wohl nie aus ihrem Munde hören würde. Es war gleich, denn es änderte auch nichts am Lauf der Dinge.

Es ist gut. Lautlos lies Eriana ihren Atem wieder gehen, löste die prickelnde Spannung welche in ihren Handgelenken lag und wand sich der jungen Wolfselfe zu, deren Verstand gerade nicht zu fassen gewusst hatte was für ein Theaterstück sich vor ihren guten Augen abgespielt hatte.
Alwinas Ohren waren vor Scham zur Seite geklappt, wie die Form der Kapuze verriet. Leise hatte sie eine Verteidigung für ihr Verhalten vorgebracht, die leider wahrer nicht sein könnte. „Er ist böse, das ist wahr. Doch manchmal kann man eine kaputte Sache nicht sofort richten, da sonst mehr Schaden entstünde als man reparieren könnte. Oft braucht es vor allem Zeit und Achtsamkeit. Keiner von uns wird vergessen ..... oder vergessen sein.“ Damit wand sich die Heilerin Miray zu, welche hinter ihr Schutz vor dem Ausbruch der Hybride gesucht hatte, nun jedoch schon wieder ruhig mit dieser zu sprechen begann und damit von Eriana weg blickte.
Die Elfe wartete lächelnd bis die gutherzige Ziehmutter von sich aus wieder ihre Augen suchte und nickte langsam als sie schließlich ihren Blick fing.

Eigentlich hatte Eriana vorgehabt die Kinder vor Ort zu behandeln, doch so wie sich die Situation gerade darstellte, fürchtete sie fast die Kleinen hätten sich in die verschiedensten Winkel geflüchtet und würden somit nur schwer zu finden sein. „Tut dies und wenn ihr eure Schützlinge wieder beisammen habt, scheut euch nicht mit Ihnen zu mir zu kommen. Bis dahin könnt ihr sie mit mit diesen Dingen zumindest notdürftig versorgen.“ Blind griff die Elfe in ihre Tasche und beförderte, während sie weiter mit Miray sprach, einige Kleinigkeiten daraus hervor, welche sich bald in den Armen der jungen Menschenfrau türmten. Mit wenigen Worten war erklärt wie die dunkelhaarige Maid oberflächliche Wunden und andere zu erwartende kleinere Verletzungen, so selbst behandeln konnte. Eriana wiederholte mehr als einmal das Miray und ihre Kinder jederzeit nach ihr schicken konnten oder ihre Praxis aufsuchen durften. Ja, das sie ihr Haus sogar nochmals besuchen musste, da dort noch immer ein Bündel Kleidung auf sie wartete. Schlußendlich war es nicht schwer der Frau das Versprechen ihres Besuches abzuringen. "Vergesst nie das meine Türe jedem offen steht der Hilfe sucht.“

Ein kurzer Gruß ward noch schnell gesprochen, dann trat die ungleiche Gruppe für diesen Tag auseinander. Auch Ansgar war sich sicher, dass Miray für den Augenlbick in Sicherheit war. Teufel, Jaques musste schon verdammt bescheuert sein um sich nach all dem nicht für ein Weilchen bedeckt zu halten. So hoffte der Wächter zumindest. Im Vorbeigehen nickte er der Westviertlerin nochmals zu. Er konnte ihr seinen Schutz nicht so öffentlich und vor allem nicht allumfassend versprechen, sein Eid der Stadt gegenüber stand ihm dabei schlicht und ergreifend im Weg und er würde ihn sicher nicht aus reiner Sympathie heraus brechen. Doch sie kannte nun seinen Namen und sollte diese versoffene Kreatur den Kindern nochmals zu Nahe kommen, er war sich sicher das drahtige Frauenzimmer würde schon einen Weg finden ihren Ruf an seine Ohren dringen zu lassen, rissen alle anderen Stricke. Und die Götter wussten das er diesem Ruf folgen würde, denn anders könnte er es doch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren.

( →Auf den Straßen des Ostviertels )
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#52

Kars (Neunfinger)

Gesetzloser
Mensch
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(Von Gasthaus zum Drachen/Hof)


Er hatte sich durch die Gassen der Stadt treiben lassen, wie ein Blatt in einem Bach. Ziellos hatte er Fuß vor Fuß gesetzt, ging um des Gehens willen. Die Dämmerung versilberte schon den östlichen Horizont, als die Häuser rechts und links von ihm schäbiger wurden und schließlich zu baufälligen Ruinen verkamen. Schmutz und Abfall überzog das Pflaster mit einem Teppich aus Moder und Verfall, mitunter mußte er über den Schutt einer eingestürzten Fassade steigen, um seinen Weg fortzusetzen. Er bog um eine Ecke als sich die ersten Sonnenstrahlen durch eine Lücke, die ein eingestürztes Haus hinterlassen hatte, in die noch dunkle Gasse verirrten. Glas splitterte unter seinen Stiefelsohlen als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung in einem Torbogen wahrnahm. Die Hand am Heft seines Schwertes fuhr er herum, doch der räudige Köter, der als ob er wüßte, daß er sich von Kars im besten Fall einen kräftigen Tritt einhandeln würde, davon machte, war keine Bedrohung, so ließ er die Hand wieder sinken. Doch statt seine ziellose Wanderung wieder aufzunehmen, blieb er staunend stehen.

Der Torbogen, dessen Torflügel zertrümmert seit einer halben Ewigkeit vor sich hin moderten, führte in einen völlig verwilderten Garten. Wild wuchernde Rosen leuchteten im ersten Licht des Tages zwischen Büschen und anderen Blüten. Der verwachsene Weg, den er jetzt entlang schritt, führte durch die kaum mehr erkennbaren Beete zu einem kleinen, kreisrunden Platz, der mit Steinplatten ausgelegt war, von denen viele zerbrochen waren und zwischen deren Bruchstücken und Fugen Gras wuchs. Längst floß kein Wasser mehr aus den den einst eleganten Wasserspeiern in das Brunnenbecken, das halb zerfallen, nur Blätter und Moos enthielt, aus dessen Zentrum sich eine Säule aus weißen Marmor erhob, die von einer Frauenstatue aus dem gleichen Material gekrönt war. Nicht größer als vielleicht zwei Fuß, den Kopf abgeschlagen, ohne rechten Arm und linker Hand und trotzdem berührte die Schönheit der Figur in diesem wilden Garten etwas ganz tief in ihm. Lange vermochte er seinen Blick nicht von der Statue zu lösen, dann setzte er sich auf die eine Hälfte der steinernen Bank, die noch stand und wieder hob er seinen Blick zu der Figur. Anmut und Sanftheit kam in jeder Linie der Frauengestalt zum Ausdruck, dem Stein abgerungen durch Meisterhand. Irgendwann schob sich seine Rechte unter das Wams und holte die kleine Metallflöte hervor, die er ständig bei sich trug, streifte den Handschuh, der seinen verstümmelten kleinen Finger verbarg von seiner Linken und begann zu spielen. Er spielte leise, denn er spielte für sich und die Sehnsucht, die Gestalt angenommen hatte in der gesichtslosen Statue. Er spielte einer der melancholischen Romanzen aus Qar, die ihn seine Mutter gelehrt hatte. Sein Gesicht verlor den Ausdruck von Härte und Mißtrauen und obwohl ein Teil von ihm wachsam blieb, verlor sich der größere Teil von ihm auf Wegen, die er nur selten zu betreten wagte.
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